Igelfütterung im Garten

Igelfütterung im Garten

Viele Menschen freuen sich, wenn sie einen Igel im Garten beobachten können. Doch die Lebensbedingungen für unsere heimischen Stacheltiere haben sich in den vergangenen Jahren deutlich verändert. Der Rückgang von Insekten, intensive Flächennutzung und zunehmend trockene Sommer erschweren die Nahrungssuche vielerorts erheblich.
Deshalb empfehlen wir, Igel nicht nur in Notzeiten, sondern ganzjährig mit geeignetem Futter zu unterstützen.
 

Bilder: Welt der Igel e.V.

Füttern allein genügt nicht

Mindestens genauso wichtig wie eine Futterstelle ist ein naturnaher Garten. Igel benötigen Rückzugsorte, Nistmaterial und eine möglichst strukturreiche Umgebung.

Besonders hilfreich sind:

    • Laub- und Reisighaufen
    • heimische Sträucher und Stauden
    • wilde Gartenecken
    • Komposthaufen
    • naturnahe Hecken
    • insektenfreundliche Bepflanzung

Solche Bereiche bieten sowohl Schutz als auch Lebensraum für zahlreiche Insekten und damit natürliche Nahrungsquellen des Igels.

 

Was frisst ein Igel in freier Natur?

Igel gehören zu den Insektenfressern und ernähren sich überwiegend von tierischer Nahrung.

Zu ihrem natürlichen Speiseplan zählen unter anderem:

    • Käfer und Käferlarven
    • Ohrwürmer
    • Raupen
    • Spinnen
    • Asseln
    • Tausendfüßer
    • andere Wirbellose

Gelegentlich werden auch Aas oder Vogeleier aufgenommen.

Regenwürmer und Schnecken stehen dagegen nicht bevorzugt auf dem Speiseplan. Sie werden häufig nur dann vermehrt gefressen, wenn andere Beutetiere fehlen. Zusätzlich können sie verschiedene Parasiten übertragen.

 

Welche Lebensmittel sind ungeeignet?

Viele gut gemeinte Fütterungsversuche schaden den Tieren leider mehr, als sie nützen.

Nicht geeignet sind:

    • Obst
    • Gemüse
    • Brot und Backwaren
    • Getreideprodukte
    • Nüsse
    • Rosinen
    • Vogelfutter
    • Speisereste
    • Milch und Milchprodukte

Igel können Milchzucker nicht verdauen. Milch führt häufig zu Verdauungsproblemen und sollte deshalb grundsätzlich vermieden werden.

Auch viele handelsübliche Produkte, die ausdrücklich als „Igelfutter“ verkauft werden, entsprechen nicht den Ernährungsbedürfnissen der Tiere. Ein Blick auf die Zutatenliste lohnt sich immer.

 

 

Geeignetes Futter für Igel

Bewährt haben sich hochwertige Futtermittel mit einem hohen Anteil tierischer Bestandteile.

Geeignet sind beispielsweise:

    • hochwertiges Katzen-Nassfutter mit hohem Fleischanteil
    • hochwertiges Katzen-Trockenfutter
    • ungewürztes Rührei
    • gekochtes Hühnerfleisch
    • gekochte Hühnerherzen oder andere geeignete Innereien

Das Futter sollte möglichst frei von Zucker, Getreide, Gemüsezusätzen, Reis, Nudeln oder Kartoffeln sein.

Eine abwechslungsreiche Fütterung ist dabei empfehlenswert.

 

 

Wasser nicht vergessen

Neben dem Futter sollte immer frisches Wasser bereitstehen.

Besonders in trockenen Sommern wird eine Wasserstelle von vielen Gartenbesuchern genutzt.

Wichtig: Bitte ausschließlich Wasser anbieten, keine Milch.

 

Die richtige Futterstelle

Eine offene Futterschale lockt häufig Katzen, Krähen oder andere unerwünschte Gäste an.

Deshalb empfiehlt sich die Einrichtung einer geschützten Futterstation oder eines speziellen Futterhauses. So bleibt das Futter besser für die eigentlichen Empfänger verfügbar und die Tiere können ungestört fressen.

 

Fazit

Der beste Igelschutz beginnt mit einem naturnahen Garten. Wo ausreichend Verstecke, Nistmöglichkeiten und Nahrung vorhanden sind, können Igel dauerhaft überleben.

Eine ergänzende Zufütterung mit geeignetem Futter kann dabei helfen, Nahrungsengpässe auszugleichen und die Tiere besonders in strukturarmen Lebensräumen zu unterstützen.
 
Weitere Informationen rund um Fütterung, Futterhäuser und igelfreundliche Gärten findet ihr auf unserer Website:
 
https://www.weltderigel.de/
 
https://www.weltderigel.de/igel-zufuettern-ja-oder-nein/
 
Euer Team von Welt der Igel e.V.

Elke Pollok
Igelpflegerin
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Immer wieder wird diskutiert, ob Wildigel zusätzlich gefüttert werden sollten. Die Meinungen dazu gehen auseinander. 

Unsere Erfahrung aus der täglichen Arbeit mit Wildigeln zeigt jedoch: Eine ergänzende Fütterung kann vielerorts eine wichtige Unterstützung sein. 

Bild: Igel mit Hungerknick Quelle Facebook: Welt der Igel e.V.

Warum benötigen Igel heute Hilfe?

Der Braunbrustigel ist ein Insektenfresser. Zu seiner natürlichen Nahrung gehören unter anderem Käfer, Larven, Raupen, Würmer und andere wirbellose Tiere.

Gleichzeitig beobachten Wissenschaftler und Naturschutzverbände seit Jahren einen deutlichen Rückgang vieler Insektenarten. Dadurch wird es für zahlreiche Tiere schwieriger, ausreichend Nahrung zu finden. Davon betroffen sind nicht nur Igel, sondern auch viele Vogelarten, Fledermäuse, Amphibien und Reptilien.

Insbesondere in Wohngebieten und intensiv genutzten Landschaften finden Igel oft deutlich weniger Nahrung als noch vor einigen Jahrzehnten.

 

Warum kann eine ganzjährige Fütterung sinnvoll sein?

Früher waren die Jahreszeiten meist klarer voneinander getrennt. Heute sorgen milde Winter, lange Warmphasen und plötzliche Wetterwechsel dafür, dass sich die natürlichen Abläufe verändern.

Während warmer Winterperioden werden manche Igel aktiv, verlassen ihre Nester oder unterbrechen ihren Winterschlaf. Dann benötigen sie Energie, finden aber häufig nur wenig natürliche Nahrung.

Eine geschützte Futterstelle kann in solchen Situationen helfen, Energiereserven zu erhalten und unnötigen Gewichtsverlust zu vermeiden.

Auch im Frühjahr, nach trockenen Sommern oder in Zeiten mit geringem Insektenangebot profitieren viele Tiere von einer zusätzlichen Futterquelle.

 

Werden Igel dadurch faul?

Diese Sorge hören wir häufig.

Unsere Beobachtungen zeigen jedoch etwas anderes: Selbst wenn hochwertiges Futter angeboten wird, suchen Igel weiterhin aktiv nach natürlicher Nahrung. Ein Käfer, eine Larve oder ein Regenwurm bleiben für einen Igel interessant.

Die Zufütterung ersetzt daher meist nicht die Nahrungssuche, sondern ergänzt sie.

 

Was gehört nicht auf den Speiseplan?

Igel sind keine Allesfresser. Viele Lebensmittel, die ihnen gut gemeint angeboten werden, sind ungeeignet.

Nicht verfüttert werden sollten:

    • Milch und Milchprodukte
    • Brot und Backwaren
    • Obst
    • Gemüse
    • Nüsse
    • Rosinen
    • Vogelfutter
    • Essensreste
    • Babybrei
    • stark gewürzte Lebensmittel

Der bekannte Apfel auf dem Rücken des Igels gehört übrigens ins Reich der Mythen. Igel suchen keine Äpfel als Nahrung. Befinden sie sich in Fallobstwiesen, interessieren sie sich in der Regel für die Insekten und Larven an den Früchten.

 

Geeignetes Futter

Als Ergänzung eignen sich vor allem eiweißreiche Futtermittel mit hohem Fleischanteil:

    • hochwertiges Katzennassfutter (Fleischanteil über 60%)
    • hochwertiges Katzentrockenfutter (Fleischanteil über 60%)
    • gekochte oder gebratene Eier
    • ungewürztes Rinderhackfleisch
    • gekochtes Geflügelfleisch
    • Futterinsekten wie Heimchen, Grillen oder Heuschrecken
Das Katzennassfutter sollte keine Soße („Gelee“) enthalten, kein Getreide, kein Zucker, kein Gemüse, keine Nudeln, keine Kartoffeln, kein Reis.

Das Trockenfutter sollte ebenfalls Zucker- und Getreide-frei sein.

Geeignetes Katzen-Nassfutter mit einem hohen Fleischanteil (Beispiele):
• Animando Carny
• Animonda vom Feinsten Kitten (sollte man junge Igel im Spätsommer im Garten haben)
• MACs (hier steht der Fleischanteil auf der Dose)
• Catz finefood
• Wilderness
• MjamMjam
• Leonardo
• Topic von Aldi Nord (hier sind nur die roten und grünen Dosen geeignet)
• Cachet von Aldi Süd (nur die 200g-Dose!)
• Dein Bestes „Naturliebe” (Pastete) vom DM
• Edeka Naturales 100% Huhn
• Winston Nature von Roßmann
• Katzen-Pasteten
• ZooRoyal mit Hühner-Herzen
 
Trockenfutter (Beispiele):
• Applaws Kitten (das blaue)
• Applaws adult Hühnchen
• MACs Kitten
• MACs adult Cat Ente, Pute & Huhn
• Sanabelle Kitten
• Josera Nature Cat
• Select Gold Babycat & Mother
• Concept for Life
• Royal Canin Mother und Babycat
• Salingos Katzenmahlzeit
• Leonardo
• Purizon
• Animonda Deluxe
• Wilderness Kitten / Huhn mit Fisch
 
Trockenfutter sollte kurz eingeweicht werden, da Igel dazu tendieren zu wenig zu trinken.

Wichtig ist eine abwechslungsreiche Ernährung. Das Futter sollte möglichst wenig pflanzliche Bestandteile enthalten und frei von Zuckerzusätzen sein.

 

Vorsicht bei sogenanntem „Igelfutter“

Viele als Igelfutter angebotene Produkte enthalten hohe Anteile an Getreide, pflanzlichen Nebenprodukten oder anderen Bestandteilen, die nicht dem natürlichen Nahrungsspektrum eines Insektenfressers entsprechen.

Ein Blick auf die Zutatenliste lohnt sich daher immer. Oft ist hochwertiges Katzenfutter die deutlich bessere Wahl.

 

 
Genauere Informationen siehe hierzu auch das Merkblatt von Pro Igel.

 

Die richtige Futterstelle

Eine Futterstelle sollte:

  • trocken stehen,
  • vor Regen geschützt sein,
  • möglichst nur für Igel zugänglich sein (z.B. Futterhaus mit Klappen),
  • täglich kontrolliert werden.

Bewährt haben sich kleine Futterhäuser oder überdachte Futterplätze mit einem Eingang, der für Igel passend dimensioniert ist.

Bei mehreren Tieren sind zwei Ein- bzw. Ausgänge sinnvoll, damit rangniedrige Igel ausweichen können.

 

Hygiene ist Pflicht

Wo mehrere Tiere an einer Futterstelle zusammenkommen, können Krankheiten übertragen werden. Deshalb sollte die Futterstelle regelmäßig gereinigt werden:

  • Futterreste täglich entfernen
  • Wasser täglich erneuern
  • Futternäpfe heiß reinigen
  • Verschmutzte Unterlagen wechseln
  • Kot regelmäßig beseitigen

Es kann helfen, eine Lage Zeitungspapier unter die Futterschalen zu legen. Dies läßt sich schnell täglich erneuern.

Sauberkeit schützt die Tiere und reduziert das Infektionsrisiko!

 

Noch wichtiger als Füttern: Ein igelfreundlicher Garten

Zusätzlich zur Fütterung können Gärten so gestaltet werden, dass Igel und andere Wildtiere bessere Lebensbedingungen vorfinden:

  • Laub liegen lassen bzw unter Hecken und Sträucher kehren
  • heimische Blumen und Kräuter pflanzen
  • Totholz- und Reisighaufen anlegen
  • Hecken als Rückzugsorte erhalten
  • auf Pestizide und Schneckenkorn verzichten
  • Komposthaufen integrieren
  • flache Wasserschalen bereitstellen

Ein naturnaher Garten bietet Nahrung, Schutz und Nistmöglichkeiten und hilft damit weit mehr als jede einzelne Futterportion.

 

Unser Fazit

Eine verantwortungsvolle Zufütterung ersetzt keinen naturnahen Lebensraum. Sie kann jedoch dabei helfen, Igel in einer zunehmend veränderten Umwelt zu unterstützen und Zeiten mit geringem Nahrungsangebot zu überbrücken.

Mindestens ebenso wichtig wie das Futter sind strukturreiche Gärten, ausreichend Versteckmöglichkeiten und der Verzicht auf Gifte.

Euer Team von Welt der Igel e.V.

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Auf geschwächten, kranken oder verletzten Igeln, unabhängig vom Alter des Tieres, lassen sich häufig Schmeißfliegen nieder. Sie werden durch bestimmte Gerüche angelockt, die beispielsweise bei Entzündungen, Wunden oder dem bakteriellen Abbau von Gewebe entstehen. Die Fliegen legen ihre Eier direkt im Stachelkleid oder an Körperöffnungen des Igels ab.

Wie schnell sich die Eier entwickeln, hängt stark von den Außentemperaturen ab. In den warmen Sommermonaten schlüpfen die Larven oft bereits nach etwa 24 Stunden. Bei Temperaturen um 25 °C kann sich die Entwicklungszeit sogar auf rund 12 Stunden verkürzen. Das bedeutet: Je wärmer es ist, desto schneller schlüpfen die Maden.

Fliegeneier sehen aus wie kleine weiße Stäbchen oder winzige Reiskörner. Sie kleben meist büschelweise zwischen den Stacheln oder am Körper des Igels.

Die frisch geschlüpften Maden suchen bevorzugt Körperöffnungen auf. Häufig findet man sie in Augen, Nase, Ohren, Maul, After sowie im Bereich der Geschlechtsorgane. Auch in den Beinbeugen und insbesondere in offenen Wunden sind sie oft zu finden.

Die Larven ernähren sich von abgestorbenem Gewebe, Wundgewebe und Körperflüssigkeiten. Ohne schnelle Hilfe verschlechtert sich der Zustand des Igels innerhalb kürzester Zeit erheblich.

Igel mit Fliegeneier- oder Madenbefall sind meist stark geschwächt, apathisch und reagieren kaum noch auf ihre Umgebung. Oft können sie sich bei Berührung nicht einmal mehr einrollen. Die Tiere leiden dabei erhebliche Schmerzen.

Deshalb müssen Fliegeneier umgehend entfernt werden. Hierfür eignen sich beispielsweise saubere Mascara-Bürstchen, Zahnbürsten, Pinzetten, Flaschenbürsten oder Zahnstocher.

Bitte badet betroffene Igel nicht in warmem Wasser! Wärme beschleunigt die Entwicklung der Eier und Larven zusätzlich. Außerdem bedeutet Baden für einen geschwächten Igel enormen Stress und kann seinen Zustand weiter verschlechtern. Grundsätzlich sollten Igel nur in begründeten Ausnahmefällen und nach fachkundiger Anleitung gebadet werden.

Deshalb unsere dringende Bitte: Schaut gefundene Igel sehr genau an. Kontrolliert insbesondere Tiere, die tagsüber unterwegs sind, gründlich auf Fliegeneier oder Maden. Seht lieber fünfmal genau hin als nur einmal. Wenn möglich, untersucht auch die Körperunterseite und die Bereiche zwischen den Stacheln sorgfältig.

Nehmt bei Verdacht sofort Kontakt zu einer Igelstation oder einem igelkundigen Tierarzt auf. Hier zählt oft jede Minute. Haben sich die Maden erst tief in Körperöffnungen oder Wunden festgesetzt, wird ihre Entfernung deutlich schwieriger.

Bereits kleine blutende Verletzungen können ausreichen, um Schmeißfliegen anzulocken. Der Igel selbst hat kaum Möglichkeiten, sich gegen diesen Befall zu wehren.

Deshalb gilt: Zögert nicht! Entfernt sichtbare Fliegeneier, nehmt umgehend Kontakt zu einer Igelstation auf und bringt das Tier schnellstmöglich in fachkundige Hände. Bei Fliegeneier- oder Madenbefall ist schnelles Handeln entscheidend.


Euer „Welt der Igel e.V.“ Team

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