Wann ist der richtige Zeitpunkt?
Der Kalender allein liefert keine zuverlässige Antwort. Entscheidend sind die tatsächlichen Bedingungen in der Natur.
Eine Auswilderung sollte erst erfolgen, wenn:
- die Vegetation wieder deutlich ausgetrieben hat,
- Sträucher und Bäume ausreichend Deckung bieten,
- die Nachttemperaturen dauerhaft über etwa 8 °C liegen,
- keine längeren Frostperioden mehr zu erwarten sind,
- keine Schneereste mehr vorhanden sind.
Außerdem empfiehlt es sich, eine längere trockene Wetterphase abzuwarten. Der Igel muss unmittelbar nach seiner Freilassung einen geschützten Schlafplatz anlegen können. Einzelne Regenschauer sind unproblematisch, anhaltender Dauerregen erschwert ihm jedoch den Start erheblich.
Welche Voraussetzungen sollte der Igel erfüllen?
- Vor der Auswilderung sollte das Tier vollständig erholt und gesundheitlich stabil sein.
- Das während des Winterschlafs verlorene Gewicht muss wieder aufgebaut sein.
- Der Igel sollte einen guten Allgemeinzustand zeigen.
- Er sollte selbstständig und regelmäßig fressen.
- Es dürfen keine Hinweise auf eine akute Erkrankung bestehen.
- Der Kot sollte unauffällig und gut geformt sein.
Als Orientierung gelten folgende Gewichtsbereiche:
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- Jungigel aus dem Vorjahr: etwa 600 bis 700 Gramm
- Erwachsene Tiere: meist zwischen 1.000 und 1.400 Gramm
Bestehen Zweifel hinsichtlich eines möglichen Parasitenbefalls, empfiehlt sich nach dem Erwachen aus dem Winterschlaf eine erneute Kotuntersuchung. Viele Innenparasiten werden erst einige Tage nach dem Aufwachen wieder aktiv und lassen sich daher unmittelbar nach dem Winterschlaf oft noch nicht sicher nachweisen.
Ein geringer Parasitenbefall ohne erkennbare Symptome kann bei Freigehege-Igeln durchaus vorkommen und muss nicht zwangsläufig behandlungsbedürftig sein.
Wohin sollte ein Igel ausgewildert werden?
Der ideale Ort ist der ursprüngliche Fundort des Tieres.
Insbesondere erwachsene Igel kennen dort bereits geeignete Verstecke, Nahrungsquellen und Laufwege. Die Rückkehr in das vertraute Revier bietet daher meist die besten Voraussetzungen.
- Ist eine Auswilderung am Fundort nicht möglich, sollte der neue Lebensraum folgende Kriterien erfüllen:
- naturnaher Garten oder Grünbereich
- vielfältige Versteckmöglichkeiten
- keine unmittelbare Nähe zu Autobahnen oder stark befahrenen Straßen
- ausreichend Nahrung und Rückzugsmöglichkeiten
- Eingewöhnung an einen neuen Lebensraum
Muss ein Igel an einem ihm unbekannten Ort ausgewildert werden, empfiehlt sich eine sogenannte Soft-Release-Auswilderung.
Dabei wird der Igel zunächst für etwa ein bis zwei Wochen in einem Außengehege untergebracht. Dort erhält er:
- ein Schlafhaus,
- eine geschützte Futterstelle,
- Wasser und Betreuung.
Während dieser Zeit kann sich das Tier an Gerüche, Geräusche und die Umgebung gewöhnen.
Nach der Eingewöhnungsphase wird das Gehege geöffnet, sodass der Igel selbst entscheiden kann, wann er seine Erkundungstouren beginnt.
Für Igel, die bereits als Säuglinge in menschliche Obhut gelangt sind und nie selbstständig in Freiheit gelebt haben, ist diese Form der Auswilderung besonders wichtig.
Unterstützung nach der Freilassung
Mit dem Öffnen des Geheges endet die Verantwortung nicht.
Empfehlenswert ist es, die vertraute Futter- und Schlafstelle zunächst beizubehalten. Viele Igel nutzen diese noch über Wochen oder Monate als sicheren Rückzugsort.
Hilfreich sind insbesondere:
- Igelhäuser
- Totholzhaufen oder Benjes Hecke
- Natursteinstrukturen
- Laubbereiche
- naturnahe Gartenecken
Ein strukturreicher und insektenfreundlicher Garten stellt den wertvollsten Beitrag zum Igelschutz dar.
Da natürliche Nahrungsquellen vielerorts zurückgehen, sollte zusätzlich eine unterstützende Zufütterung möglich sein.
Weitere Informationen
Bei Unsicherheiten empfiehlt sich die Kontaktaufnahme mit einer erfahrenen Igelstation oder einem igelkundigen Tierarzt.
Eine ausführliche Anleitung zu Winterschlaf, Aufwachphase und Auswilderung stellt außerdem Pro Igel zur Verfügung:
https://www.pro-igel.de/winterschlaf-igelhilfe/
Euer Team von Welt der Igel e.V