Thema zufüttern ja / nein

Wir erklären warum es sehr wichtig für den Igel ist und man ganzjährig zufüttern sollte.

Bild: Igel Quelle Facebook: Welt der Igel e.V.

Das ewige Thema zufüttern ja / nein …. was denn nun??
Unsere Empfehlung lautet eindeutig JA zum Ganzjährigen(?) zufüttern. Warum das können wir ganz einfach erklären:

In Deutschland gibt es über 30.000 bekannte Insekten (wie zum Beispiel Bienen, Schmetterlinge, Laufkäfer, Heuschrecken, Ameisen, Fliegen, Libellen, etc.). Zahlreiche Studien und Zählungen von Naturschutzbunden ergaben, dass die Population dieser von über 70% zurückgegangen ist.
Laufkäfer sind die wesentliche Nahrungsgrundlage für Igel. Des Weiteren benötigen auch andere Wildtiere wie zum Beispiel Fledermäuse, Vögel und Reptilien Insekten zum Überleben.

Ohne großartig rechnen zu können wird hier schnell klar, dass es mittlerweile zu wenig Insekten gibt für zu viel Insekten-fressende Tiere.
Warum Ganzjährig? Wie jeder mittlerweile weiß ist der Klimawandel voll im Gange und überall zu spüren.

„Richtige“ Sommer oder Winter gibt es nicht mehr. Die Jahreszeiten „vermischen“ sich stellenweise. Das bedeutet auch im Winter gibt es oftmals sehr warme Phasen. In dieser Zeit wachen die Tiere auf oder befinden sich nur im Dämmerschlaf. Getrieben vom Hunger verlassen sie oft ihre Nester und gehen auf Nahrungssuche. Natürliche Nahrung gibt es aber leider nicht, da die Nächte viel zu kalt sind für Insekten.

Darum stellt bitte auch im Winter geschütztes Trockenfutter bereit, dass wenn euer Garten-Igel aufwacht er auch was zum fressen findet und nicht total entkräftet in der kalten Phase wieder in Schlaf geht und eventuell total untergewichtig nicht mehr davon aufwacht und / oder herum irrt oder gar total abgemagert erfriert.

Was dürfen Igel NICHT ESSEN und was darf man ihnen NICHT FÜTTERN:

Grundsätzlich gilt es zu wissen das Igel kein Obst, kein Gemüse, kein Getreide, keine Nüsse / Rosinen, kein Vogelfutter und keine Milchprodukte (Igel sind Laktose-intolerant), keine Essenreste, keine Babygläschen, keine Brot etc. essen sollten.

Der Igel ist ein Fleischfresser!
Leider hält sich hartnäckig der Aberglaube das Igel Obst / Gemüse fressen, wie Äpfel.
Wenn man einen Igel in einer Fallobstwiese an einem Apfel naschen sieht, hat er hier nicht den Apfel im Visier, sondern er ist an den darin befindlichen Maden / Obstfliegenlarven interessiert.

„Was kann ich dem Igel anbieten bzw. soll ich ihm anbieten?“
Hier eignet sich am besten Katzennassfutter und Katzentrockenfutter mit einem (hohen) Fleischanteil von über 60%.
Das Katzennassfutter sollte keine Soße enthalten, kein Getreide, kein Zucker, kein Gemüse, keine Nudeln, keine Kartoffeln, kein Reis.
Das Trockenfutter sollte ebenfalls Zucker- und Getreide-frei sein.

Geeignetes Katzen-Nassfutter mit einem hohen Fleischanteil sind zum Beispiel:
• Animando Carny
• Animonda vom Feinsten Kitten (sollte man junge Igel im Spätsommer im Garten haben)
• MACs (hier steht der Fleischanteil auf der Dose)
• Catz finefood
• Wilderness
• MjamMjam
• Leonardo
• Topic von Aldi Nord (hier sind nur die roten und grünen Dosen geeignet)
• Cachet von Aldi Süd (nur die 200g-Dose!)
• Dein Bestes „Naturliebe” (Pastete) vom DM
• Edeka Naturales 100% Huhn
• Winston Nature von Roßmann
• Katzen-Pasteten
• ZooRoyal mit Hühner-Herzen
 
Trockenfutter:
• Applaws Kitten (das blaue)
• Applaws adult Hühnchen
• MACs Kitten
• MACs adult Cat Ente, Pute & Huhn
• Sanabelle Kitten
• Josera Nature Cat
• Select Gold Babycat & Mother
• Concept for Life
• Royal Canin Mother und Babycat
• Salingos Katzenmahlzeit
• Leonardo
• Purizon
• Animonda Deluxe
• Wilderness Kitten / Huhn mit Fisch

Ebenfalls frisst der Igel gerne:
Ungewürztes glasiges Rührei oder hartgekochte geschälte Eier.
Gegartes (ungewürztes) Rinderhackfleisch bzw. kann hier jedes Hackfleisch genommen werden außer Schwein.
Gekochte (ungewürzte) Hühnerschlegel / Oberschlegel, Hühnerhälse, Hühner-Innereien (natürlich auch anderes Geflügelfleisch).

Alle paar Tage kann man gerne Grillen, Heuschrecken, Heimchen, Mehlwürmer, Wachsmaden frisch oder tiefgefroren etc. zu füttert werden (bitte nicht täglich).
WICHTIG: Bitte auf eine abwechslungsreiche Ernährung achten.
 
Igel neigen sehr zu Zahnstein um das zu vermeiden sind zum Beispiel Hähnchenschlegel eine „natürliche“ Zahnbürste.
Genauere Informationen siehe hierzu auch das Merkblatt von Pro Igel.
 
Katzensichere Futterstelle (Zubehör und Aufbau):
Man braucht dafür ein paar einfache Steine, die man im Baumarkt billig bekommt.
Diese legt man im Rechteck und lässt einen Eingang in der Größe von 10 x 10 cm offen.

Die Abdeckung sollte eine wasserfeste Holzplatte oder Palette sein, welche wesentlich größere Maße haben und über die Futterstelle herausragen soll. Katzensicher wird die Futterstelle, wenn man einen Stein auf die Abdeckung legt, damit können andere Tiere die Abdeckung nicht verschieben, um an das Futter zu kommen. Bewährt hat sich auch ein zusätzlicher (Hinter-)Ausgang. Dann sollte allerdings beachtet werden, das Futter nicht zu nah am Eingang zu postieren, da beispielsweise Katzen und Waschbären sich sonst das Futter „herausangeln“.
Gerne kann man hier auch ein Igel-Futterhaus aufstellen.
Da sich an Futterstellen häufig mehrere Igel einfinden sollte es zwei Eingänge / Ausgänge haben. Das Haus sollte keinen Boden haben, wenn es als Futterhaus aufgestellt wird.

Man platziert es am besten auf möglichst glatten Gartenplatten (z.B. auf umgedrehten Waschbetonplatten), die man gut mit dem Gartenschlauch reinigen kann (denn der Ausdruck „Schweineigel“ kommt nicht von ungefähr).
Wo natürlich „offenes“ Futter steht können auch ungeliebte Gäste angelockt werden. Um dies zu vermeiden sollte das Futterhaus mit einer Rattenklappe versehen werden.
 
Tägliche Reinigung der Futterstelle:
Igelfutterhäuser müssen regelmäßig gereinigt werden! Am besten stellt man sie auf Steinplatten, die sich gut abspritzen und / oder abbürsten lassen.
Unter die Futterschalen sollte Zeitungspapier gelegt werden, das täglich zu wechseln ist.
Die Näpfe spült man täglich heiß mit Spülmittel aus. Das gleiche gilt für die Wasser-Schalen. Hygiene ist wichtig, um einer Krankheitsübertragung an der Futterstelle vorzubeugen.
Es wird sich jetzt natürlich die Frage stellen „wenn ich zusätzliches Futter bereitstelle, dann frisst er doch nichts anderes mehr, wird fett und zu faul zum Jagen“. Nein keine Sorge das wird ein Igel nicht tun, denn egal was für gutes Futter wir ihnen anbieten werden, er wird einen leckeren Laufkäfer nicht verschmähen. Wir beobachten immer wieder, dass die Näpfe voll sind obwohl viele Igel an den Futterstellen sind.

„Wie kann ich sonst noch unterstützen / naturnahe Gärten… was kann ich tun“?
• den Rasen mal höher wachsen lassen
• das Laub liegen lassen
• Igelhäuser aufstellen
• Futterstellen einrichten – und im Sommer täglich frisches Wasser zur Verfügung stellen, Komposthaufen anlegen
• Natur- statt Kunstdünger verwenden
• auf Insekten- und Unkrautvernichtungsmittel (z.B. Schneckenkorn, Moosentferner und andere Gifte) VERZICHTEN.

Reisig- oder Holzstapel, die nicht weggeräumt werden, sowie dichte Hecken mag der Igel als Quartier für seinen Tagesschlaf oder für Nestbau und Aufzucht seiner Jungen.
Legt Blumenwiesen an und pflanzt Kräuter, denn dort findet der Igel Insekten Laufkäfer und Raupen. Vermeide Heckenschnitt und Ausdünnen von Büschen und Sträuchern im Hochsommer.
 
Eins müssen wir noch dazu fügen bitte verwendet kein so genanntes Igelfutter … das macht nur einen satt und das ist der Geldbeutel des Herstellers. Auch kann hier gerne die Rückseite diese so genannten Igelfutter mal durchgelesen werden … alles andere aber kein Igelfutter. Spart euch hier bitte das Geld!

Euer Team von „Welt der Igel e.V.“.
Sandra Gleich
Igelpflegerin