Thema zufüttern: sinnvoll oder nicht?

 

 

 

Immer wieder wird diskutiert, ob Wildigel zusätzlich gefüttert werden sollten. Die Meinungen dazu gehen auseinander. 

Unsere Erfahrung aus der täglichen Arbeit mit Wildigeln zeigt jedoch: Eine ergänzende Fütterung kann vielerorts eine wichtige Unterstützung sein. 

Bild: Igel mit Hungerknick Quelle Facebook: Welt der Igel e.V.

Warum benötigen Igel heute Hilfe?

Der Braunbrustigel ist ein Insektenfresser. Zu seiner natürlichen Nahrung gehören unter anderem Käfer, Larven, Raupen, Würmer und andere wirbellose Tiere.

Gleichzeitig beobachten Wissenschaftler und Naturschutzverbände seit Jahren einen deutlichen Rückgang vieler Insektenarten. Dadurch wird es für zahlreiche Tiere schwieriger, ausreichend Nahrung zu finden. Davon betroffen sind nicht nur Igel, sondern auch viele Vogelarten, Fledermäuse, Amphibien und Reptilien.

Insbesondere in Wohngebieten und intensiv genutzten Landschaften finden Igel oft deutlich weniger Nahrung als noch vor einigen Jahrzehnten.

 

Warum kann eine ganzjährige Fütterung sinnvoll sein?

Früher waren die Jahreszeiten meist klarer voneinander getrennt. Heute sorgen milde Winter, lange Warmphasen und plötzliche Wetterwechsel dafür, dass sich die natürlichen Abläufe verändern.

Während warmer Winterperioden werden manche Igel aktiv, verlassen ihre Nester oder unterbrechen ihren Winterschlaf. Dann benötigen sie Energie, finden aber häufig nur wenig natürliche Nahrung.

Eine geschützte Futterstelle kann in solchen Situationen helfen, Energiereserven zu erhalten und unnötigen Gewichtsverlust zu vermeiden.

Auch im Frühjahr, nach trockenen Sommern oder in Zeiten mit geringem Insektenangebot profitieren viele Tiere von einer zusätzlichen Futterquelle.

 

Werden Igel dadurch faul?

Diese Sorge hören wir häufig.

Unsere Beobachtungen zeigen jedoch etwas anderes: Selbst wenn hochwertiges Futter angeboten wird, suchen Igel weiterhin aktiv nach natürlicher Nahrung. Ein Käfer, eine Larve oder ein Regenwurm bleiben für einen Igel interessant.

Die Zufütterung ersetzt daher meist nicht die Nahrungssuche, sondern ergänzt sie.

 

Was gehört nicht auf den Speiseplan?

Igel sind keine Allesfresser. Viele Lebensmittel, die ihnen gut gemeint angeboten werden, sind ungeeignet.

Nicht verfüttert werden sollten:

    • Milch und Milchprodukte
    • Brot und Backwaren
    • Obst
    • Gemüse
    • Nüsse
    • Rosinen
    • Vogelfutter
    • Essensreste
    • Babybrei
    • stark gewürzte Lebensmittel

Der bekannte Apfel auf dem Rücken des Igels gehört übrigens ins Reich der Mythen. Igel suchen keine Äpfel als Nahrung. Befinden sie sich in Fallobstwiesen, interessieren sie sich in der Regel für die Insekten und Larven an den Früchten.

 

Geeignetes Futter

Als Ergänzung eignen sich vor allem eiweißreiche Futtermittel mit hohem Fleischanteil:

    • hochwertiges Katzennassfutter (Fleischanteil über 60%)
    • hochwertiges Katzentrockenfutter (Fleischanteil über 60%)
    • gekochte oder gebratene Eier
    • ungewürztes Rinderhackfleisch
    • gekochtes Geflügelfleisch
    • Futterinsekten wie Heimchen, Grillen oder Heuschrecken
Das Katzennassfutter sollte keine Soße („Gelee“) enthalten, kein Getreide, kein Zucker, kein Gemüse, keine Nudeln, keine Kartoffeln, kein Reis.

Das Trockenfutter sollte ebenfalls Zucker- und Getreide-frei sein.

Geeignetes Katzen-Nassfutter mit einem hohen Fleischanteil (Beispiele):
• Animando Carny
• Animonda vom Feinsten Kitten (sollte man junge Igel im Spätsommer im Garten haben)
• MACs (hier steht der Fleischanteil auf der Dose)
• Catz finefood
• Wilderness
• MjamMjam
• Leonardo
• Topic von Aldi Nord (hier sind nur die roten und grünen Dosen geeignet)
• Cachet von Aldi Süd (nur die 200g-Dose!)
• Dein Bestes „Naturliebe” (Pastete) vom DM
• Edeka Naturales 100% Huhn
• Winston Nature von Roßmann
• Katzen-Pasteten
• ZooRoyal mit Hühner-Herzen
 
Trockenfutter (Beispiele):
• Applaws Kitten (das blaue)
• Applaws adult Hühnchen
• MACs Kitten
• MACs adult Cat Ente, Pute & Huhn
• Sanabelle Kitten
• Josera Nature Cat
• Select Gold Babycat & Mother
• Concept for Life
• Royal Canin Mother und Babycat
• Salingos Katzenmahlzeit
• Leonardo
• Purizon
• Animonda Deluxe
• Wilderness Kitten / Huhn mit Fisch
 
Trockenfutter sollte kurz eingeweicht werden, da Igel dazu tendieren zu wenig zu trinken.

Wichtig ist eine abwechslungsreiche Ernährung. Das Futter sollte möglichst wenig pflanzliche Bestandteile enthalten und frei von Zuckerzusätzen sein.

 

Vorsicht bei sogenanntem „Igelfutter“

Viele als Igelfutter angebotene Produkte enthalten hohe Anteile an Getreide, pflanzlichen Nebenprodukten oder anderen Bestandteilen, die nicht dem natürlichen Nahrungsspektrum eines Insektenfressers entsprechen.

Ein Blick auf die Zutatenliste lohnt sich daher immer. Oft ist hochwertiges Katzenfutter die deutlich bessere Wahl.

 

 
Genauere Informationen siehe hierzu auch das Merkblatt von Pro Igel.

 

Die richtige Futterstelle

Eine Futterstelle sollte:

  • trocken stehen,
  • vor Regen geschützt sein,
  • möglichst nur für Igel zugänglich sein (z.B. Futterhaus mit Klappen),
  • täglich kontrolliert werden.

Bewährt haben sich kleine Futterhäuser oder überdachte Futterplätze mit einem Eingang, der für Igel passend dimensioniert ist.

Bei mehreren Tieren sind zwei Ein- bzw. Ausgänge sinnvoll, damit rangniedrige Igel ausweichen können.

 

Hygiene ist Pflicht

Wo mehrere Tiere an einer Futterstelle zusammenkommen, können Krankheiten übertragen werden. Deshalb sollte die Futterstelle regelmäßig gereinigt werden:

  • Futterreste täglich entfernen
  • Wasser täglich erneuern
  • Futternäpfe heiß reinigen
  • Verschmutzte Unterlagen wechseln
  • Kot regelmäßig beseitigen

Es kann helfen, eine Lage Zeitungspapier unter die Futterschalen zu legen. Dies läßt sich schnell täglich erneuern.

Sauberkeit schützt die Tiere und reduziert das Infektionsrisiko!

 

Noch wichtiger als Füttern: Ein igelfreundlicher Garten

Zusätzlich zur Fütterung können Gärten so gestaltet werden, dass Igel und andere Wildtiere bessere Lebensbedingungen vorfinden:

  • Laub liegen lassen bzw unter Hecken und Sträucher kehren
  • heimische Blumen und Kräuter pflanzen
  • Totholz- und Reisighaufen anlegen
  • Hecken als Rückzugsorte erhalten
  • auf Pestizide und Schneckenkorn verzichten
  • Komposthaufen integrieren
  • flache Wasserschalen bereitstellen

Ein naturnaher Garten bietet Nahrung, Schutz und Nistmöglichkeiten und hilft damit weit mehr als jede einzelne Futterportion.

 

Unser Fazit

Eine verantwortungsvolle Zufütterung ersetzt keinen naturnahen Lebensraum. Sie kann jedoch dabei helfen, Igel in einer zunehmend veränderten Umwelt zu unterstützen und Zeiten mit geringem Nahrungsangebot zu überbrücken.

Mindestens ebenso wichtig wie das Futter sind strukturreiche Gärten, ausreichend Versteckmöglichkeiten und der Verzicht auf Gifte.

Euer Team von Welt der Igel e.V.

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