Wenn Hilfe zu spät kommt

In der Igelpflege erleben wir viele schöne Momente. Tiere, die nach langer Behandlung wieder gesund in die Freiheit entlassen werden können. Doch leider gibt es auch die andere Seite.

Manche Igel erreichen uns erst dann, wenn ihr Zustand bereits so kritisch ist, dass wir trotz aller Bemühungen nichts mehr ausrichten können.

So ging es auch Lotte. 🖤


Sie wurde an einem Vormittag von einer aufmerksamen Spaziergängerin entdeckt. Schon beim ersten Blick war klar, dass etwas nicht stimmte. Das adulte Weibchen war stark geschwächt und mit Fliegeneiern übersät.

Nach telefonischer Anleitung entfernte die Finderin bereits einen großen Teil der sichtbaren Eier und brachte das Tier anschließend zu einer unserer Pflegestellen.


Dort zeigte sich jedoch das ganze Ausmaß der Situation.

Durch die warmen Temperaturen hatten viele Eier bereits mit der Entwicklung begonnen. Kleine Larven waren schon in empfindliche Körperbereiche eingedrungen. Über Stunden wurden Fliegeneier und Maden entfernt, Wunden gereinigt und das Tier versorgt.

Wir haben gekämpft.

Doch diesmal hat es nicht gereicht.


Lotte starb am folgenden Tag friedlich in ihrer Pflegestelle. 🖤


Besonders traurig macht uns die Ursache ihres Zustands.
Es war weder ein Verkehrsunfall noch ein schwerer Parasitenbefall, der ihr Leben beendet hat.
Lotte war extrem abgemagert. Ihr Körper hatte nahezu keine Reserven mehr. Sie war schlicht an den Folgen von Nahrungs- und Wassermangel zugrunde gegangen.

Solche Fälle begegnen uns leider immer häufiger.

Deshalb möchten wir die Gelegenheit nutzen, auf etwas hinzuweisen, das jeder Tierfreund mit wenig Aufwand tun kann:

  • Stellt frisches Wasser bereit.
  • Schafft sichere Futterstellen.
  • Unterstützt Igel bei Bedarf mit geeignetem Futter.
  • Gestaltet Gärten naturnah und insektenfreundlich.

Geeignet sind beispielsweise hochwertiges Katzenfutter mit hohem Fleischanteil, ungewürztes Rührei oder gekochtes Geflügelfleisch. Nicht geeignet sind viele der als „Igelfutter“ angebotenen Mischungen, die oft nur wenig mit der natürlichen Ernährung eines Igels gemeinsam haben.

Jeder gefüllte Wassernapf und jede geschützte Futterstelle kann für ein Wildtier einen Unterschied machen.


Lotte können wir nicht mehr helfen.

Aber viele andere Igel sind noch draußen unterwegs und brauchen Unterstützung. Deshalb unsere Bitte: Schaut nicht weg, wenn ihr einen geschwächten oder tagsüber aktiven Igel entdeckt. Oft entscheidet schnelles Handeln über Leben und Tod.


Für Lotte kam die Hilfe leider zu spät. Für viele andere Tiere ist es noch nicht zu spät. ❤️


Euer Team von Welt der Igel e.V.

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