Auf geschwächten, kranken oder verletzten Igeln, unabhängig vom Alter des Tieres, lassen sich häufig Schmeißfliegen nieder. Sie werden durch bestimmte Gerüche angelockt, die beispielsweise bei Entzündungen, Wunden oder dem bakteriellen Abbau von Gewebe entstehen. Die Fliegen legen ihre Eier direkt im Stachelkleid oder an Körperöffnungen des Igels ab.
Wie schnell sich die Eier entwickeln, hängt stark von den Außentemperaturen ab. In den warmen Sommermonaten schlüpfen die Larven oft bereits nach etwa 24 Stunden. Bei Temperaturen um 25 °C kann sich die Entwicklungszeit sogar auf rund 12 Stunden verkürzen. Das bedeutet: Je wärmer es ist, desto schneller schlüpfen die Maden.
Fliegeneier sehen aus wie kleine weiße Stäbchen oder winzige Reiskörner. Sie kleben meist büschelweise zwischen den Stacheln oder am Körper des Igels.
Die frisch geschlüpften Maden suchen bevorzugt Körperöffnungen auf. Häufig findet man sie in Augen, Nase, Ohren, Maul, After sowie im Bereich der Geschlechtsorgane. Auch in den Beinbeugen und insbesondere in offenen Wunden sind sie oft zu finden.
Die Larven ernähren sich von abgestorbenem Gewebe, Wundgewebe und Körperflüssigkeiten. Ohne schnelle Hilfe verschlechtert sich der Zustand des Igels innerhalb kürzester Zeit erheblich.
Igel mit Fliegeneier- oder Madenbefall sind meist stark geschwächt, apathisch und reagieren kaum noch auf ihre Umgebung. Oft können sie sich bei Berührung nicht einmal mehr einrollen. Die Tiere leiden dabei erhebliche Schmerzen.
Deshalb müssen Fliegeneier umgehend entfernt werden. Hierfür eignen sich beispielsweise saubere Mascara-Bürstchen, Zahnbürsten, Pinzetten, Flaschenbürsten oder Zahnstocher.
Bitte badet betroffene Igel nicht in warmem Wasser! Wärme beschleunigt die Entwicklung der Eier und Larven zusätzlich. Außerdem bedeutet Baden für einen geschwächten Igel enormen Stress und kann seinen Zustand weiter verschlechtern. Grundsätzlich sollten Igel nur in begründeten Ausnahmefällen und nach fachkundiger Anleitung gebadet werden.
Deshalb unsere dringende Bitte: Schaut gefundene Igel sehr genau an. Kontrolliert insbesondere Tiere, die tagsüber unterwegs sind, gründlich auf Fliegeneier oder Maden. Seht lieber fünfmal genau hin als nur einmal. Wenn möglich, untersucht auch die Körperunterseite und die Bereiche zwischen den Stacheln sorgfältig.
Nehmt bei Verdacht sofort Kontakt zu einer Igelstation oder einem igelkundigen Tierarzt auf. Hier zählt oft jede Minute. Haben sich die Maden erst tief in Körperöffnungen oder Wunden festgesetzt, wird ihre Entfernung deutlich schwieriger.
Bereits kleine blutende Verletzungen können ausreichen, um Schmeißfliegen anzulocken. Der Igel selbst hat kaum Möglichkeiten, sich gegen diesen Befall zu wehren.
Deshalb gilt: Zögert nicht! Entfernt sichtbare Fliegeneier, nehmt umgehend Kontakt zu einer Igelstation auf und bringt das Tier schnellstmöglich in fachkundige Hände. Bei Fliegeneier- oder Madenbefall ist schnelles Handeln entscheidend.
Euer „Welt der Igel e.V.“ Team